Iain Banks, Einsatz der Waffen

Innovative Denkanstöße

Der Roman Einsatz der Waffen entführt den Leser auf ein Neues in die Welt des KULTUR-Universums, das Iain Banks mit dem Roman Bedenke Phlebas (Heyne Nr. 06/4609) entworfen hat.

Irgendwo in der Galaxis existiert seit geraumer Zeit ein von Humanoiden dominiertes, hochtechnisiertes Sternenreich von absoluter Friedfertigkeit, das dank seiner Technologie sogar selbst empfindsame Roboter kennt, ihnen gleichermaßen wie Menschen  Grundrechte zusichert und sie als vollkommen gleichberechtigte Personen ansieht und überdies über kein Geldwesen mehr verfügt.

Das KULTUR-Universum ist eine Welt der Dekadenz und schrulligen Roboter, könnte man sagen, denn die Technik ist so weit entwickelt, dass selbst der Tod keine Schranke mehr darstellt. Ebenso wenig das Anhalten des Alterns, Operationen in Stasisfeldern, das Nachwachsen und Klonieren von Körpern … all das ist für die KULTUR etwas Selbstverständliches, und ebenso ist ihr Sendungsbewusstsein ausgerichtet. Sie sind der festen Ansicht, dass ihr „way of life“ der beste ist, den es gibt und dass es eigentlich alle Welten für erstrebenswert halten sollten, sich diesem Groß-Imperium anzuschließen.

Die KONTAKT-Abteilung, die sich um neu entdeckte Welten und deren Angliederung an die KULTUR kümmert, besitzt außerdem für besonders heikle Fälle – z.B. interstellare oder planetare Kriege – die Unterabteilung „Besondere Gegebenheiten“ (BG), was eigentlich ein Euphemismus ist, wenn man weiß, dass diese Abteilung für Spionage, Manipulation, Bestechung und ähnlich schöne Dinge existiert, die dort Alltag sind. In der Abteilung BG sind Abenteurer zuhause und Elitekämpfer, die von der KULTUR angeworben werden, um für die KULTUR in Konflikte einzugreifen, häufig mit einer Hightech ausgerüstet, mit der man problemlos ganze Armeen vernichten kann.

Cheradenine Zakalwe ist in dieser Hinsicht ein exzentrischer Kämpfer. Er neigt dazu, in Einzeleinsätze zu gehen und die Ausstaffierung mit Ultra-Hightech-Waffen der KULTUR (die sich beispielsweise auch selbst reparieren können, wodurch Verschleiß eigentlich ein völliges Fremdwort geworden ist) nicht in Anspruch zu nehmen. Sonst wäre es ja kein Abenteuer mehr, sondern mehr ein Spaziergang, nicht wahr?

Diziet Sma (mit vollem Namen heißt sie Rasd-Coduresa Diziet Emless Sma da’Marenhide), die KULTUR-Frau, die Zakalwe entdeckt hat, wird nun zu Beginn des Romans davon informiert, dass an einem alten Kampfplatz Zakalwes, im Sternenhaufen Voerenhutz nach 40 Jahren relativen Friedens nun wieder Krieg auszubrechen droht. Zakalwe soll Tsoldrin Beychae, einen alten Verbündeten des damaligen Kampfes, der sich nun zur Ruhe gesetzt hat, allgemein aber ein anerkannter Politiker im Sternenhaufen ist, wieder aktivieren. Beychae aber ist in den Händen der so genannten Humanisten“, die entgegen ihres Namens die schwarzen Schafe und Feinde in diesem Kampf sind.

Nur … Zakalwe ist zunächst nicht aufzutreiben. Und als er dann endlich zusagt, gerät er umgehend ins Schussfeld der Humanisten. Zwar kann er Beychae befreien, sitzt dann aber in einer wenig beneidenswerten Lage fest, in der ihm auch die KULTUR nicht helfen darf, weil sonst der Krieg im Sternenhaufen tatsächlich ausbrechen wird …

Parallel dazu baut Banks in den 13 Kapiteln, die countdownmäßig von XIII rückwärts gezählt werden, während die phasenverschobenen und „normal“ nummerierten 15 Kapitel von vorne nach hinten verlaufen, Stücke aus Zakalwes bunter Vergangenheit ein, und dort durchziehen Schlachten, Identitätszweifel, Verletzungen, Enthauptungen, Liebesaffären und groteske Wortwechsel mit Maschinen und Menschen und anderen Lebensformen diese römisch nummerierten Kapitel.

Bizarrerweise spielen auch noch ein anfangs nebelhaft erscheinendes Schiff, der Name Staberinde und ein kleiner weißer Stuhl eine Rolle. Am Ende des Romans wird mit einer ungeheuerlich perversen Logik klar, warum diese Dinge durch Zakalwes jahrhundertelanges, mehrfach verlängertes Leben gewandert sind und ihn gemartert haben.

Aber mit der grauenhaften Wendung, die der Roman zum Ende hin nimmt, habe nicht mal ich gerechnet, obwohl ich Banks nun schon einigermaßen zu kennen glaubte.

Man lernt – finde ich – in diesem Buch sehr viel über Kämpfer im Allgemeinen und über die Motive, die Menschen dazu bringen können, in einem Krieg von unerbittlicher Härte zu kämpfen. Außerdem lernt man gut Machtpolitik kennen, und wenn man ein wenig geschichtlich geschult ist, kann man jede Menge Mustersituationen aus der menschlichen Historie hier abstrahiert wieder finden.

Es ist ein Buch, das sehr nachdenklich macht und überaus bedrückend wirkt (bis auf das Kapitel IX, das sich mit Shias Engin beschäftigt und das ich persönlich sehr schön finde), das sich aber nicht unbedingt nur jeder KULTUR- und Iain-Banks-Fan antun sollte. Es handelt sich wirklich um einen guten Roman mit überaus innovativen Gedankenanstößen.

Allerdings sollte, wer sich wirklich voll mit den Personen identifizieren möchte, insbesondere mit Diziet Sma und ihrer Robotdrohne Skaffen Amtiskaw, zuvor die Kurzgeschichte Der letzte Stand der Kunst lesen, die in dem Band Ein Geschenk der Kultur (Heyne Nr. 06/4904) lesen, die über hundert Seiten lang ist. Die Hauptpersonen darin sind eben Diziet Sma und ihre Drohne Skaffen Amtiskaw. Es geht darin um die Entdeckung der Erde durch die KULTUR in den 1980er-Jahren unseres Jahrhunderts. Und es ist wirklich ein Vergnügen zu lesen, was die KULTUR-Besatzung von der Abteilung KONTAKT so auf der Erde und in ihrem Raumschiff anrichten (und die Story ist nicht zuletzt explizit was für Trekkies!).

Das investierte Geld für Einsatz der Waffen ist sehr gut investiert.
Eine klare Leseempfehlung von meiner Seite!

Rezension von Uwe Lammers

Iain Banks, Einsatz der Waffen
Originaltitel: Use of Weapons (1990)
Deutsche Erstveröffentlichung
Verlag: Heyne
Übersetzung: Irene Bonhorst
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 560
Veröffentlichungsdatum: Januar 1992
ISBN: 3-453-05826-7 (Heyne SF 06/4903)
Preis: DM 14,80

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