Filmkritik: Bugonia

Kontrastprogramm zu Disclosure Day

Der psychisch gestört wirkende verschwörungsgläubige Teddy Gatz und sein geistig minderbemittelter Cousin Don entführen Michelle Fuller, die  Chefin des Pharmazie-Unternehmens Auxolith, weil sie diese für ein Alien halten. Die Entführer glauben, dass die außerirdischen „Andromedaner“ die Menschen manipulieren und beherrschen. Sie wollen mit dem „Imperator“ im „Mutterschiff“ verhandeln, um die Menschen zu retten. Fuller soll den Kontakt für sie Herstellen.

Die toughe Firmenchefin bestreitet, dass sie ein Alien ist und bietet Teddy die Stirn, in dem sie sich als Problemlöserin gibt. So kommt heraus, dass Auxolith verantwortlich ist, dass Teddys Mutter im Koma liegt. Aber Teddy bestreitet vehement, dass er an Wahnvorstellungen leidet.  Er hat Fuller schon bei ihrer Entführung den Kopf rasiert, damit sie keinen Notruf absetzen kann.

Da sie nicht kooperiert, beginnt er sie zu foltern. Danach ist sie für ihn plötzlich eine Führungsfigur. Die Entführer werden jedoch gestört, weil sich der örtliche Polizist bei Teddy auf eher unbeholfene für einen lange zurückliegenden Übergriff entschuldigen will und sich ihm wieder anzunähern versucht. Und die ganze Sache überfordert den  beschränkten aber herzensguten Don total. So kann Michelle Fuller entkommen und entdeckt (zusammen mit dem Publikum), dass Teddy schon einige Menschen umgebracht und gefoltert hat, um etwas über die Andromedaner herauszufinden. Aber auch Fuller selbst verhält sich immer merkwürdiger. 

Die Auseinandersetzung zwischen Teddy und Michelle Fuller hält weitere Überraschungen bereit und nimmt schließlich die schlimmst mögliche Wendung. Das ist alles grotesk, aber sehr spannend und wendungsreich. Regisseur Yorgos Lanthimos versteht sich auf Dramatik.

Der Film ist mit seinen Gedanken zu Außerirdischen das Kontrastprogramm zu Disclosure Day von Steven Spielberg. Gemeinsam ist beiden Filmen, dass sie das Problem bei der Menschheit sehen. Lanthimos gibt sich hier aber zynisch, während Spielberg fast schon naiv wirkt.  Auch unterscheiden sie sich ästhetisch erheblich voneinander. Lanthimos setzte dabei eher auf raue, schattige Bilder, die eher die unschönen Seiten betont und Distanz hält.

Bei Bugonia handelt es sich um ein Remake von Save the Green Planet vom südkoreanischen Regisseur Jang Joon-Hwan aus dem Jahr 2003, ein Film mit Nachwirkung, nicht nur bei anderen Filmemachern.

Was hat es es mit dem Filmtitel Bugonia auf sich? Laut Wikipedia kommt er aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Ochsengeburt“. In der Antike war die Vorstellung weit verbreitet, dass Bienen aus den Kadavern von Rindern entstehen. Im Film betreibt der Entführer Terry eine Bienenzucht. Michelle Fuller wird auch als eine Art Königin von fleißigen Arbeitsbienen gesehen. Terry vermutet, dass die Menschen von den Andromedanern gezüchtet, genetisch manipuliert werden. Das ist also ein Element, das Regisseur Yogos Lanthimos als Grieche in diesen Film eingebracht hat.

Originaltitel: Bugonia
Irland, Südkorea, Kanada, USA (2025)
Länge: 120 Minuten
Deutschlandstart: 30. Oktober 2025
Regie: Yorgos Lanthimos
Darsteller: Emma Stone, Jesse Plemons, Aidan Delbis, Alicia Silverstone

Filmkritik von Michael Baumgartner

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